
Schlachtendenkmal, errichtet 1842
Schlacht bei Gammelsdorf
Die Lage
vor dem Ausbruch der Schlacht:
Die niederbayerischen Herzöge standen im scharfen Gegensatz zu den
habsburgisch-österreichischen Herren, während von den beiden oberbayerischen
Herrschern Rudolf und Ludwig vor allem letzterer mehr den Habsburgern zuneigte
um seine Ansprüche in Oberbayern durchzusetzen; auch waren er und sein
habsburgischer Vetter Friedrich der Schöne sich durchaus zugetan; 1309/1311
gab es verheerende Kämpfe der niederbayerischen Herzöge mit den Habsburgern
bis zum vorläufigen Friedensschluss 1311 in Passau; weite Strecken
Niederbayerns waren verwüstet; zu Anfang 1313 bemächtigten sich die
oberbayerischen Herzöge der niederbayerischen Prinzen und besetzten Landshut
und Straubing; darauf übertrugen die Herzoginenwitwen dem Habsburger Friedrich
dem Schönen die Landesregierung und die Vormundschaft über ihre Kinder und
riefen ihn ins Land; im Oktober kam es auf der Burg Landau a.d.Isar bei einem
Treffen zu einer heftigen aber ergebnislosen Aussprache; nur Ludwigs
Begleiter sollen verhindert haben, dass der Wittelsbacher sich dabei tätlich
an seinem Vetter vergriff; „wo Worte nichts vermögen, soll das Schwert
entscheiden“ soll er ausgerufen haben; Friedrich wendete sich ab mit der
Drohung, er werde Ludwig von Haus und Hof verjagen;
die Bundesgenossen:
nach dem Treffen von Landau war klar, dass es Krieg geben musste; so
merkwürdig sich die Lage entwickelte, dass jetzt, da der ernstliche
Zusammenstoß zwischen Bayern und Österreichern bevorstand, sich gerade die
Ritter des niederbayerischen Landesteils, die die habsburgische Bedrohung seit
langer Zeit am meisten aushalten mussten, sich dem Landesfeind anschlossen;
die habsburgische Seite:
im Westen sammelte der Statthalter von Vorderösterreich, Herzog Leopold mit
seinem Bruder Friedrich dem Schönen, ein mächtiges Heer, mit dem Ziel, nach
Osten zu marschieren und sich mit den österreichischen Scharen zu vereinigen;
von Osten her rückte das österreichisch-niederbayerische Aufgebot, verstärkt
durch 3.000 ungarische Bogenschützen und böhmische Hilfstruppen und fast der
gesamten niederbayerischen Ritterschaft heran; insgesamt soll dieses Heer
etwa 20.000 Krieger, 20.000 Pferde und 4.000 Wagen umfasst haben; im einzelnen
wissen wir von folgenden österreichischen Rittern, die mit 1.200 Lanzenreitern
und mit ihren Knechten am Kampf teilnahmen:
Graf Eberhard von Waldsee, Graf Ulrich von Wallsee aus der Steiermark, Graf
Heinrich von Schaumburg, Hofmarschall von Pilichendorf als Oberbefehlshaber
der vereinigten habsburgischen Scharen, Ulrich der Pfannberger, Leopold von
Haunberg und der Erzbischof von Salzburg stellte Truppen;
der niederbayerische Adel stellte folgende Parteigänger:
die Grafen Alram und Albrecht von Hals als Führer; Graf Heinrich von
Schauenburg; Graf Heinrich von Preising; Heinrich von Leonberg, Walter von
Taufkirchen, Ludwig der Grans, Konrad von Weichs, Sifrid von Fraunhofen, Eholf
von Warter, Hartpert von Aham, Hildebrand von Chamerau, Sifrid Frumesel, die
beiden Vitzthume von Straubing und an der Rott, Ebrand von Degenberg der
Vicedom zu Landshut, Hartlieb Puchberger von Winzer, Alram Rottenauer,
Heinrich Sattelboger, Pernger der Grans, Albert von Schönstein, Chalhoch von
Winzer;
die oberbayerische Seite:
Herzog Ludwig hatte keine Ausgaben gescheut und in Oberbayern und im Nordgau
Bundesgenossen geworben; hier kämpften von den niederbayerischen Rittern nur
die Herren von Wildenberg und von Thurn; über die nordgauischen (oberpfälzer)
Ritter weiß man gut Bescheid:
Seyfried von Schweppermann erhielt von Herzog Ludwig 300 Pfund Pfennig für das
„gerit" (Anreiten mit vorgestreckter Lanze) bei Gammelsdorf, 1322 in der
Schlacht von Ampfing war er wieder Heerführer Ludwigs (Jedermann ein Ei, dem
braven Schweppermann aber zwei): Dietrich von Flügelsburg bei Riedenburg,
Friedrich von Eschenbeck, Ritter Polwein Winzerer von Winzer a.d.Donau bei
Regensburg, Ulrich der Neuenburger, Markwart und Heinrich der Zenger von der
Trausnitz im Nordgau, Konrad der Zenger, Heinrich der Geiganter bei
Waldmünchen, Konrad von Hohenfels, Hermann von dem Turm, Konrad von
Schlüsselburg (Bistum Bamberg) - in der Schlacht von Ampfing führte er wieder
auf der Seite Ludwigs das Reichsbanner; Bertold von Graisbach, Weigel von
Trausnitz-Vitzthum der Oberpfalz, Rudger von Wartberg bei Neunburg vorm Wald -
er verlor in der Schlacht sein Pferd, Heinrich der Dachsholerer, Rudiger der
Puntzinger erobert das feindliche Banner, Gottfried der Satzenhofer, Heinrich
der Ayhaher, Rudger und Konrad der Kemnather, Heinrich der Truchseß von
Hirschau, Ludwig der Aerbe verlor ebenfalls ein Pferd; Friedrich der Frank
(bei Sulzbach), Heinrich der Lengenfelder (bei Sulzbach), der alte und der
junge Löhlein zu Salzbach, Friedrich von Breitenstein, Heinrich von Raidenpuch,
Hans Ebran von Wildenberg mit zweien seiner Brüder und seinem Sohn Ulrich (bei
Abensberg), der Sneberger von Taunstein und andere Taunsteiner, Heinrich von
Ehrenfels und sein Vetter Konrad der Seft; dazu kamen noch Eberhard von
Wirtenberg, Bernhard von Neiffen-Heinrich und Wilhelm, Marschalken von
Biberach aus der habsburgischen Grafschaft Burgau, die trotzdem zu Ludwig
hielten; insgesamt sollen es etwa 400 geharnischte Ritter gewesen sein und
dazu die dreifache Zahl riesiger Knechte, die das Schwert führten und ebenso
viele Fußknechte mit Piken, Armbrust oder Bogen, dazu etwa 600 Wagen;
die Städte:
die Städte an Salzach und Inn, an Lech und Donau, die Isarstädte München,
Moosburg, Landshut, Dingolfing und Landau hatten sich zu äußerstem Widerstand
bereit zu halten, die Kontingente der größeren Städte (München, Ingolstadt,
Straubing und Landshut) die auch außerhalb ihrer Mauern kämpfen konnten,
mussten zum nächsten Neumond marschbereit stehen; so ein Stadtbanner mag so
300 Armbrüster mit ebenso vielen Spießern ins Feld geschickt haben, dazu
vielleicht 30 Reisige;
der Aufmarsch:
das Westheer der Habsburger:
die Habsburger Friedrich der Schöne und sein Bruder Leopold von Österreich,
der die westlichen habsburgischen Landesteile als Statthalter beherrschte,
hatten aus der Nordschweiz, den vorderösterreichischen und schwäbischen
Ländereien ein starkes Herr rekrutiert und konnten aus der Gegend von
Schaffhausen jederzeit nach Osten marschieren - von heutiger Sieht aus ist es
unverständlich, warum sich diese Streitmacht nur langsam in Bewegung setzte
(zum Glück für Ludwig); Anfang November erreichten Teile den Lech und
überschritten ihn nicht;
das Ostheer der Habsburger:
Marschall von Pilichendorf sammelte seine österreichischen und kärntner Ritter
südlich der Donau im Raum Linz - Wels - Steyr und zog dann in Richtung Passau;
dort stießen bis zum 23. Okt. die böhmischen und ungarischen Hilfstruppen
dazu; Graf Heinrich von Schaumburg sperrte mit seinen Leuten die bayerische
Grenze ab und schloss sich dann dem Vormarsch an; die niederbayerischen
Ritter unter Graf Albrecht von Hals sammelten sich ebenfalls bei Passau; der
gewaltige Heerhaufen -wahrscheinlich in zwei Marschkolonnen zerlegt-
überschritt die bayerische Grenze, vereinigte sich mit den Niederbayern und
wälzte sich plündernd und brandschatzend durch die Täler der Rott und der Vils
aufwärts in Richtung Landshut;
am 29. Oktober wurde Eggenfelden besetzt, am 31. Okt. Vilsheim; in den ersten
Novembertagen erreichten die Österreicher die Isar wobei sie die weiteren
Städte umgingen und überquerten bei Volkmannsdorf am 1. und 2. Nov. den Fluss;
zwischen Gammelsdorf und Isareck baute Marschall Pilichendorf eine
Verteidigungsstellung auf, in der er warten wollte, bis Herzog Leopold mit dem
Ostheer herankam; der linke Flügel lehnte sich zur Deckung an die reißende
Isar, der rechte Flügel stand nordwestlich von Gammelsdorf mit den nach hinten
gestaffelten Reserven zu Pferde; dazwischen wurden mehrere Wagenburgen
aufgebaut, die von Gelbersdorf soll sich in einer uralten Schanze befunden
haben; die verbindenden Linien wurden durch Wälle und Gräben verstärkt; die
Wagenburgen wurden von Pikenieren, Bogen- und Armbrustschützen verteidigt;
Reiter und Reisige waren abgesessen und sollten zu Fuß kämpfen; an dieser
starken Stellung sollte sich Ludwig festbeißen, erobern könnte er sie mit
seinem kleinen Heer niemals, wie die Osterreicher sicher glaubten; als
Pilichendorf den Anmarsch von Ludwigs Heer erfuhr, nahm er in der Nacht vom
7./8. Nov. seine Streitmacht in die Linie Gammelsdorf - Bruckberg zurück und
zog weg von der Brücke bei Volkmannsdorf (ein schwerer taktischer Fehler); die
Reserven zu Pferd standen nun bei Widdersdorf, die rechte Flanke wurde durch
Vorposten am Waldrand nordöstlich von Priel gesichert (Wälle im dortigen Wald
sind noch heute zu sehen); insgesamt hatten die österreichischen Stellungen
eine Länge von über 5 km; überall wurde fleißig geschanzt - Ludwig mit seinem
Heer konnte kommen.
der Aufmarsch der Oberbayern:
für Herzog Ludwig war es wohl klar, wollte er sich seinen Feinden
entgegenstellen, so musste es sein, bevor die beiden habsburgischen Heere sich
vereinigen und damit für ihn unschlagbar waren; so ließ er sie gut beobachten,
er hatte anscheinend einen ausgezeichneten Nachrichtendienst; als Herzog
Leopold am Lech zögerte und Marschall Pilichendorf mit seinen Scharen
marschierte, war es klar, wen Ludwig zuerst zum Kampf stellen würde; er fasste
den Entschluss, dem Ostheer entgegenzuziehen und gab folgende Befehle: das
Ritterheer und das Aufgebot der Münchner Bürger marschieren am 03. Nov. nach
Dachau, am 4. Nov. nach Altomünster; das Ingolstädter Banner kann dort zur
Masse des Heeres stoßen, die Straubinger, Landshuter und Moosburger Bürger
sollen den Feind beobachten und ihm dichtauf folgen; nur geringe Teile des
Ritterheeres sicherten am Zeitlbach bei Altomünster gegen Westen zu vor einer
Überraschung durch das Heer Leopolds; Ludwig erhielt viele Nachrichten über
den Gegner, vor allem, dass weder Landshut noch Moosburg belagert wurden; nun
trat er am 5. Nov. mit seinem Hauptheer den Vormarsch entlang der Amper in
Richtung Moosburg an und umging dabei das Freisinger Bistum; am 7. Nov.
lagerte er bei Rast in der Nähe von Langenbach und zog neue Erkundigungen ein;
er soll hier gelobt haben, im Falle eines Sieges eine Kapelle zu Ehren der
Mutter Gottes zu bauen; ob er es dann auch getan hat, ist nicht bekannt, die
jetzt dort stehende Kirche ist jedenfalls 100 Jahre jünger; es war der Plan
Ludwigs, die Österreicher am linken Flügel anzugreifen und über ihn ihre Front
aufzurollen; durch die Schwenkung der Österreicher war dies nun nicht mehr
möglich, so änderte Ludwig seine Absicht und wollte nun den rechten Flügel
angreifen; dem linken Flügel des Feindes -gegenüber etwa auf der Linie
Volkmannsdorf-Enghausen-Priel- standen die Kontingente der Münchener,
Ingolstädter und Moosburger, die Straubinger sollten am kommenden Tag Ober-
und Niedermünchen, die Landshuter Schatzhofen und Furth erreichen - das
Ritterheer führte Ludwig in der Nacht zum 9. Nov über Sixthaselbach -
Altfalterbach - Hörgertshausen bis westlich Priel vor auf die Linie
Schwarzersdorf - Enghausen - Peterswahl - Margarethenried und wartete die
Morgendämmerung ab; die nordgauischen Ritter des Herrn von Schlüsselberg
sollten sich als Reserve und Hinterhalt hinter den eigenen Linien bereit
halten.
Die Schlacht:
das Vorgeplänkel:
es war wohl ausgleichende Gerechtigkeit für den weitaus schwächeren
oberbayerischen Herzog und seine Scharen, dass am 8. und 9. Nov. dichter Nebel
über dem Land lag und er so seinen Aufmarsch fast unbemerkt vollziehen konnte;
die österreichische Front stand bereit, um Ludwig von Moosburg her zu
empfangen, da griff Ludwig am Morgen des 9. Nov. die österreichischen
Vorposten im Wald bei Priel - Rehbach an und warf sie auf Gammelsdorf zurück;
der Kampf um die Wagenburg:
um die Wagenburg bei Gammelsdorf entbrannte nun ein heftiger Kampf, ein Teil
der bayerischen Ritter drang gleichzeitig von der Flanke im Nordwesten her
gegen die zu Fuß kämpfen österreichischen Ritter und Leichtgepanzerten an,
der größere Teil der Berittenen aber wurde von Ludwig noch zurückgehalten;
die Befestigungen, die ja nur gegen Süden gerichtet waren, nützten den
Osterreichern nichts mehr und auch die Fußkämpfer waren den Reitern
unterlegen; Marschal Pilichendorf hatte viel zu spät begriffen, dass die
Hauptmasse des oberbayeriscben Heeres den rechten Flügel angriff, denn Ludwig
ließ auch von Süden her schwächere Kräfte vorrücken (wahrscheinlich Münchner);
so wurde nach hartem Kampf die Wagenburg und das Dorf Gammelsdorf erobert;
der Kampf auf dem Streitfeld:
nun drang die Hauptmasse des oberbayerischen Heeres auf die südlich von
Gammelsdorf gelegenen Felder vor und traf hier auf die österreichischen,
kärntner und niederbayerischen Ritter; den ganzen Vormittag dauerte nun hier
der Kampf Mann gegen Mann in einer der letzten Ritterschlachten ohne
Feuerwaffen; heute noch tragen die Fluren dort den Namen „Streitfeld“; langsam
gewannen die Oberbayern an Boden, gegen Mittag lichtete sich der Nebel und
mitten im Gewühl stand auch Herzog Ludwig und an seiner Seite Ritter
Schweppermann, der das Banner trug; nun setzte Pilichendorf seine Reserven von
Widdersdorf her ein, vielleicht die böhmischen Ritter und die ungarischen
Bogenschützen, der Kampf war lange nicht entschieden, waren doch die
Österreicher in der weitaus größeren Überzahl und an Erfahrung und
Kampfeseifer den Bayern durchaus ebenbürtig; fast schien sich der Sieg auf die
habsburgische Seite zu neigen, da warf Ludwig die Reserve mit den Reitern des
Herrn von Schlüsselberg in den Streit; die Kämpfer, noch frisch und ausgeruht,
erprobte Krieger, stürzten sich auf die österreichischen Reihen und konnten
sie mehrmals durchbrechen; Ritter Rüdiger von Pinzing eroberte das
österreichische Panier; zu allem Unglück für die Feinde hatten die Ungarn ihre
Pfeile verschossen und da nun ihre Hauptwaffe nicht mehr einsetzbar war,
wendeten sie ihre Pferde und suchten ihr Heil in der Flucht;
die Stadtbürger greifen ein:
jetzt kamen von Norden her die Fähnlein der Straubinger, Landshuter und
Moosburger und stießen in die Flanke und in den Rücken der Österreicher, die
Ingolstädter und Münchner schlossen sich ihnen an, sie traten wohl nicht als
geschlossener Heerhaufe auf sondern als kleine kompakte Truppenkörper, wie man
sie bis dahin noch nie auf den Schlachtfeldern gesehen hatte; zwischen den
einzelnen Haufen waren zwar größere Abstände, aber jedes Banner war ein schwer
angreifbarer Igel; in der Mitte standen die Armbruster mit acht Gliedern,
geschützt durch die Pikeniere auf den Seiten, die sechs Glieder tief standen;
der ganze Igel rückte auf beste Schussweite heran, dann stützten die Pikeniere
ihre Spieße auf den Boden und hielten sie dem Feind als kaum überwindliches
Hindernis entgegen; die Armbruster lösten sich im Schießen und Laden
fortgesetzt im vordersten Glied ab und sendeten ihre harnischdurchschlagenden
Bolzen dem Feind entgegen;
die Flucht:
die gepanzerten, einzeln kämpfenden Ritter vermochten gegen die geschlossenen,
einexerzierten Haufen nichts auszurichten; das war etwas gänzlich Neues und
wohl auch Entscheidendes; die von allen Seiten gefassten habsburgischen Ritter
wendeten sich jetzt auch zur Flucht; allein der linke Flügel hielt noch gegen
die angreifenden bayerischen Vorposten stand, hier griff nun Ludwig mit 400
frischen Kriegern an und überrannte ihn, da ergriff die Österreicher die
allgemeine Panik und mit dem Ruf „rette sich, wer kann“, rissen sie ihre
Pferde herum und flüchteten; die bayerischen Ritter jagten hinterher und
hieben alles nieder, was in ihre Reichweite kam
die Katastrophe an der Volkmannsdorfer Brücke:
Flüchtende und Verfolger, alle strebten nun gegen Abend ungeordnet im wilden
Sturm der schmalen Brücke in Volkmannsdorf zu und hier staute sich alles; zu
allem Unglück für die Österreicher konnte die schwache Holzkonstruktion die
Last der schwer gepanzerten Männer und Pferde nicht mehr tragen und brach
zusammen; man kann sich denken, dass viele der gerüsteten Ritter und Knechte
sich nicht aus den Fluten retten konnten und ertranken; ein Großteil der
Ritter ergab sich, die Quellen sprechen von 300 bis 500 österreichischen
Adeligen, die in Gefangenschaft kamen, am Abend des 9. Nov. war die Niederlage
der Österreicher vollständig; das Westheer Leopolds wagte es nun nicht mehr,
nach Bayern vorzudringen und löste sich auf;
die Folgen:
für die Besiegten:
unter den Gefangenen waren die Grafen von Hals, die Grafen von Waldsee, Kapell,
Schauenburg-Chuenring, Retz, Meysan und andere; auch Marschall Pilichendorf
war dabei; Ludwig entließ einen Teil der Gefangenen gegen Bürgschaft und nahm
die anderen, besonders die Niederbayern in seinen Burgen und Städten in Haft;
um Donau und Inn war damals kaum ein Turm zu finden, der nicht einen
Gefangenen vom Gammelsdorf in sich barg;
für die Sieger:
die eroberten Wagenburgen mit ihren 4.000 Wagen, die alle in die Hände der
Sieger fielen, enthielten eine reiche Beute an Vorräten, ob darin auch so
viele Kostbarkeiten waren, wie es oft beschrieben wurde, darf bezweifelt
werden; doch auch so waren die Bürger von Moosburg und Landshut, Ingolstadt,
Straubing und München sowie die Landleute der Umgebung hoch erfreut, denn
ihnen überließ Ludwig den größten Teil der Beute; die Moosburger Bürger
erhielten auch die eroberten österreichischen Fahnen und stellten sie im
Kastulusmünster auf, wo sie bis 1632 hingen und durch die Schweden geraubt
wurden;
als Beispiel, wie Ludwig seine Ritter belohnte, seien die beiden Stiftsbriefe
genannt, wie sie in den Regesta Boica V. 282 festgehalten sind: Ludwig und
Rudolf befreien den Ritter Polwein Winzerer und dessen Veste Nider-, Wintzer
an der Donau bei Regensburg wegen geleisteter Dienste im Streit bei
Gammelsdorf von aller Steuer, Dienst, Scharwerk und Vogtei - gegeben zu
Lengenfeld 11.6.1314.
Rudolf und Ludwig versetzen Dietrichen dem Schenken von Flügelsberg um 150
Pfund Regensburger Pfennige, die sie ihm für seinen Schaden in dem Streit bei
Gammelsdorf schuldig geworden, auf Wiederlösung fünf Höfe - die Stadtbürger
wurden mit Beutestücken aus den Wagenburgen belohnt; der Sage noch sollen die
Landshuter für ihre Tapferkeit außerdem die drei Helme in ihrem Wappen
verliehen bekommen haben, die Moosburger die drei Rosen aus dem Wappen der
ausgestorbenen Grafenfamilie, die Ingolstädter einen blauen Panther wegen des
eroberten steyrischen Paniers und die Straubinger zu ihrem Pfluge die
bayerischen Rauten, den Münchnern soll er gewährt haben einen roten Schwengel
an ihrer Fahne zu tragen;
für das Bistum Freising:
die Bischöfe von Freising: Gottfried von Hexenagger (1311-1314) und Konrad
III. der Sendlinger (1314-1322) verstanden es geschickt, zwischen den beiden
Königen zu lavieren und keine der beiden Seiten zu bevorzugen, aber von jedem
Vorteile herauszuholen; so konnte Konrad 1319 die Grafschaft Ismaning erwerben
und zum Freisinger Bistumsgebiet schlagen:
für Bayern:
die Gedanken ,,was wäre, wenn Friedrich der Schöne die Schlacht gewonnen
hätte", kann man ziemlich weit ausspinnen; für Bayern wären die Folgen wohl
katastrophal gewesen; die Habsburger hätten damit Niederbayern in den Griff
bekommen und man kann ihnen sicherlich unterstellen, dass sie nicht so ehrlich
gewesen wären wie Ludwig, der nach seiner Vormundschaft über die
niederbayerischen Prinzen diesen nach ihrer Volljährigkeit die Herrschaft über
ihr Land zurückgab; ob sich nach dem Einverleiben von Niederbayern ins
habsburgische Gebiet, Oberbayern hätte halten können, ist sehr fraglich; damit
wären wir heute vielleicht österreichisch - sicher hätten aber die reichen
Herzöge von Niederbayern nicht regiert und die Landshuter Hochzeit wäre auch
nicht zustande gekommen; überhaupt wäre die Entwicklung des altbayerischen
Stammes in seiner politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Bedeutung sehr
eingeschränkt worden;
für Deutschland:
auch das Reich selbst hätte wohl eine andere Entwicklung genommen, wenn Ludwig
die Schlacht verloren hätte; er wäre dann sicher nicht zum deutschen König
gewählt worden, denn erst nach dem Sieg ist „Ludwigs Name und Ruhm hell
leuchtend in die Weite gedrungen", wie es ein zeitgenössischer böhmischer
Geschichtsschreiber aussagte; sein späteres König- und Kaisertum hat
bedeutende Spuren in der deutschen Geschichte hinterlassen; sie hätte ohne ihn
wohl eine andere (schlechtere) Richtung genommen; auch hätte das Geschlecht
der Habsburger seinen Aufschwung wohl schon wesentlich früher begonnen;
für die Kriegsgeschichte:
die Schlacht von Gammelsdorf war eine der letzten Ritterschlachten bei denen
gepanzerte Reiter gegen gepanzerte Reiter antraten und Feuerwaffen noch nicht
verwendet wurden; sie und das Auftreten der selbständig agierenden Fußsoldaten
als geschlossene Angriffstruppen aus den Städten haben ja den Rittern den
Garaus gemacht; nach ihren vernichtenden Niederlagen in den Kriegen, wie es
z.B. das habsburgische Ritterheer bei Moorgarten 1315 durch die Schweizer
erleben musste, sanken sie zu Raubrittern herab; diese Entwicklung nahm in
Gammelsdorf ihren Anfang; auch die hervorragende Planung des Aufmarsches und
die Durchführung im Kampf soll hier gewürdigt werden; hat doch Ludwig mit
einer wohl vierfach unterlegenen Heeresmacht eine Umfassung des Gegners
veranlasst; ohne Ludwigs Feldherrnkunst zu schmälern, vermutet man ebenso wie
1322 auch das Wirken des alten, kriegserfahrenen Kämpen Seyfried von
Schweppermann;
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